Die Geschichte des Schlossgutes

Geliebt über Jahrhunderte…

Gut Langendorf, welches ursprünglich der Familie von Perbandt gehörte, einem alten preußischen Adelsgeschlecht, liegt etwa zehn Kilometer westlich der Stadt Gwardeisk (dem ehemaligen Tapiau in Ostpreußen) im Einzugsgebiet von Kaliningrad. Die Perbandts siedelten in Samland (der Halbinsel in der Ostsee, auf welcher Königsberg in Ostpreußen -das heutige Kaliningrad- liegt) lange vor den deutschen Tempelrittern. Das Anwesen bestand aus einem zentralen Gebäudekomplex an beiden Ufern des Flusses Pregel sowie zwei Vorwerken namens Albrechtshofen und Glücklack. Der sogenannte „Schlossberg“ ist eine Anhöhe nahe der Uferböschungen des Pregel, welche sich bis in den Park hinein erstreckt und an ein System aus einem Schlossgraben und Erdwällen grenzt, was typisch für die Zeit der Tempelritter ist. Sehr wahrscheinlich wurde diese Burg auf der Ruine einer noch älteren preußischen Verteidigungsanlage errichtet. Eine prähistorische Grabstätte am nördlichen Pregelufer beweist, dass es sehr alte Siedlungen in diesem Gebiet gab. Der zentrale Gebäudekomplex und die Vorwerke gehörten der Familie von Perbandt, deren Namen bereits in den historischen Dokumenten aus der Zeit der Tempelritter erwähnt wurden. Das Anwesen war durchgehend bis 1945 im Besitz der Familie.

Historische Aufzeichnungen der Familie und des Landgutes

Der erste dokumentierte Hinweis auf die Perbandt‘sche Familiengeschichte bezieht sich auf Sklode de Quednau, einen preußischen Adligen, der etwa von 1200 bis 1260 n. Chr. lebte. Er und seine Familie gehörten zu den örtlichen Anführern der Samland -Stämme, die von den Tempelrittern als die „echten, alten Wikinger“ bezeichnet wurden. Der Name von Perbandt erscheint zum ersten Mal in einem Dokument von 1363, in dem ein Adliger „Perbandt von Windekaym“ genannt wurde. Die Familie erwarb den Großteil ihres Besitzes in der Region im 13. und 14. Jahrhundert. Kleinere Folgekäufe folgten zu späterer Zeit. Ein Teil der Besitztümer nahe der Stadt Tapiau erstreckten sich von Koddin im Osten bis Schiewenau (Borskoje) und Podollen (Lozovoe) im Westen bis nach Langendorf (Sokolniki) einschließlich eines ähnlichen Landstriches im Süden bei Bonslack (Gorka) und im Norden bei Wargienen (Velikolukskoe).

Historische Aufzeichnungen beinhalten eine Vielzahl von Informationen über die Nachfahren von Sklode, die alle bekannte Amtsinhaber in den Gebieten der Tempelritter waren, d.h. im Herzogtum bzw. Königreich Preußen. Mathias von Windekaym gen. Perbandt (1380-1455) stammt aus der Langendorfer Linie der Familie. Ohne Übertreibung kann er als einer der einflussreichsten Adligen in Samland bezeichnet werden. Im Jahre 1432 war er daran beteiligt, den Friedensvertrag zwischen dem Deutschen Ritterorden und Litauen durchzusetzen. Sowohl Mathias als auch sein Sohn Ambrosius waren maßgeblich daran beteiligt, während der fordernden Zeit des Dreizehnjährigen Krieges des Preußischen Bundes (einer 1440 gebildeten Interessenvertretung der preußischen Städte und des Landadels) gegen den Deutschen Orden, letzteren auf ein solides Fundament zu stellen. Sein Einfluss war so groß, dass er mehrfach ersucht wurde, um Gnade und Vergebung des Hochmeisters zu bitten.

Gut Langendorf erlebte einen erheblichen ökonomischen Aufschwung unter Georg von Perbandt (1825-1907). Seine Fachkenntnisse erwarb dieser in der Landwirtschaftlichen Akademie Möglin, Land Brandenburg. Nach seiner Heimkehr führte er zahlreiche Verbesserungen durch und baute neue, moderne landwirtschaftliche Anlagen. Auch sind der Bau einer großen Zahl von Häusern für die Arbeiter, eines neuen Haupthauses und einer großzügigen Garten- und Parkanlage Beweis für den wirtschaftlichen Erfolg, vor allem in der Vieh- und Pferdezucht. Er war Ordensritter des Johanniterordens.

Georgs zweiter Sohn Georg von Perbandt (geboren 1860) war Major im Königlich Preußischen Kürassier-Regiment „Graf Wrangel“ (Ostpreußisches) Nr. 3. Er war ebenfalls Ordensritter des Johanniterordens und trug wesentlich dazu bei, den Erfolg Langendorfs fortzuführen, welchen sein Vater begonnen hatte. Seine Leidenschaft und Hauptaufgabe konzentrierten sich auf die Ostpreußisch Holländische Herdbuchgesellschaft, eine Gesellschaft von Viehzüchtern. In der Zeit von 1916 bis 1929 war er Vorsitzender dieser Gesellschaft und ein sehr erfolgreicher Züchter.
Georg und seine Frau Johanna (1869-1958) hatten sieben Kinder. Eine Tochter, Konradine, starb als kleines Kind. Die anderen Kinder waren drei Söhne: Albrecht, Georg und Sklode sowie drei Töchter: Johanna, Jutta und Barbara. Georg’s Witwe Johanna erbte Langendorf nach seinem Tode. Johanna’s Familienname war von Thaer. Sie war die Urenkelin Albrecht von Thaers (dem Gründer der Landwirtschaftlichen Akademie Möglin). Sie lebte in Langendorf mit ihrem zweiten Sohn Georg von Perbandt (1895-1969), ihrer Tochter Jutta von Perbandt (1900-1977), die bei der Bewirtschaftung des Gutes half, und ihrem jüngsten Sohn Sklode von Perbandt (1902-1983), einem Staatsbediensteten.
In der nächsten Generation gab es zwei Söhne von Albrecht: Albrecht und Sklode, die aus der Ehe mit Klara von Bassewitz (1899-1956) hervorgingen, und welche Erben des Anwesens hätten werden sollen. Allerdings wurden beide in sehr jungem Alter zum Militärdienst eingezogen und kehrten von den Schlachten des Zweiten Weltkrieges nicht mehr zurück.

Das Gut hatte eine eigene Fähre, welche Landarbeiter zu den Feldern und Weiden am südlichen Pregelufer und zum nahegelegenen Bahnhof Groß-Lindenau brachte. Es gab einen kommerziellen Flusshafen, der es mittelgrossen Schiffen ermöglichte, sowohl Passagiere als auch Güter aus Königsberg und Tapiau anzuliefern. Die Milch- und Fleischproduktion, die während dieser Jahrzehnte aufblühte, war ein wesentlicher Anteil der Langendorfer Produktion. Seit der Mitte des 19. Jahrhunderts gab es eine Molkerei, die bis zum Ende des ersten Weltkrieges Milchzucker, Milchpulver und andere Milchprodukte herstellte. Die Gebäude auf Gut Langendorf dienten 34 Landarbeiterfamilien als Unterkunft. Die Häuser und Grundstücke der Arbeiter erstreckten sich mehr als einen Kilometer entlang des Nordufers des Pregel.

Während der Soviet -Jahre wurde der zentrale Anteil von Gut Langendorf und das Haupthaus als Abstellplatz für Lastwagen und schwere Landmaschinen genutzt. Die meisten Gebäude wurden mehr oder weniger zerstört. Auf einem großen Teil des Anwesens wurden Betonplatten verlegt und Unrat gelagert. Ein Teil des Schlosses wurde durch ein Feuer zerstört, und erfolglose Restaurierungsversuche führten zu einem Abtragen des ersten Stockwerkes sowie der hervorstechenden architektonischen Merkmale, der Türme.